Dr. Witt, Dr. Mathers und Dr. Janowski stehen im Eingangsbereich der Klinik

Nachsorge bei Prostatakrebs

Inhaltsverzeichnis

Nach der Behandlung beginnt eine neue, ruhigere Phase

Wenn die eigentliche Behandlung abgeschlossen ist, geht es darum, den Erfolg zu sichern und früh zu erkennen, falls die Erkrankung zurückkommt. Das gelingt beim Prostatakarzinom besser als bei den meisten anderen Tumoren, weil wir mit dem PSA-Wert einen verlässlichen Marker im Blut haben, der lange vor jedem Beschwerdebild anzeigt, ob etwas in Bewegung gerät. Die Nachsorge ist deshalb kein starres Programm, sondern richtet sich danach, wie Sie behandelt wurden und wie Ihr Verlauf aussieht.

Nachsorge nach der Operation

Nach der vollständigen Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie) stammt kein PSA mehr aus gesundem Drüsengewebe. Der PSA-Wert soll daher unter die Nachweisgrenze fallen, meist innerhalb weniger Wochen. Genau das macht die Nachsorge so aussagekräftig: Jeder messbare und ansteigende Wert ist ein frühes Signal und nicht erst ein spätes.

Wir bestimmen den ersten PSA-Wert etwa drei Monate nach der Operation. Bleibt er nicht nachweisbar, kontrollieren wir bei beschwerdefreiem Verlauf in den ersten zwei Jahren vierteljährlich, im dritten und vierten Jahr halbjährlich und ab dem fünften Jahr einmal im Jahr. Diese Abstände sind nicht willkürlich, sie bilden ab, dass ein Rückfall in den ersten Jahren am wahrscheinlichsten ist.

Steigt der PSA-Wert nach der Operation auf 0,2 ng/ml und bestätigt sich dieser Anstieg in einer zweiten Messung, spricht man von einem biochemischen Rezidiv. Das bedeutet nicht, dass die Erkrankung sichtbar zurück ist, sondern dass PSA-bildende Zellen wieder aktiv sind. In dieser Situation klären wir mit moderner Bildgebung, insbesondere dem PSMA-PET, wo die Aktivität sitzt, und besprechen die nächsten Schritte. Oft ist eine gezielte Bestrahlung der Operationsregion (Salvage-Bestrahlung) möglich, und je früher sie erfolgt, desto besser sind die Aussichten.

Kontinenz und Erektion nach der Operation

Zwei Funktionen beschäftigen Männer nach einer Prostataentfernung am meisten, und beide gehören ausdrücklich in die Nachsorge: das Wasserhalten und die Erektionsfähigkeit. Wir sprechen das von uns aus an, weil viele Männer von sich aus zögern.

Eine gewisse Harninkontinenz unmittelbar nach der Operation ist normal und bessert sich bei den meisten Männern über die folgenden Wochen bis Monate deutlich. Der wirksamste erste Schritt ist ein gezieltes Schließmuskeltraining, mit dem am besten früh begonnen wird. Bleibt darüber hinaus ein belastender, dauerhafter Urinverlust bestehen, was nur einen kleinen Teil der Patienten betrifft, gibt es zuverlässige Lösungen. Dazu zählen die Einlage eines Bandes (männliche Schlinge) bei leichter bis mittlerer Inkontinenz und der künstliche Schließmuskel bei ausgeprägter Inkontinenz. Wann welcher Weg sinnvoll ist, klären wir nach genauer Diagnostik. Mehr dazu lesen Sie unter Inkontinenz nach Prostata-OP

Die Erektionsfähigkeit hängt davon ab, ob die für die Erektion zuständigen Nerven erhalten werden konnten, und das wiederum vom Tumorbefund. Wo es onkologisch vertretbar ist, operieren wir nervschonend. Die Erholung braucht Geduld und verläuft oft über viele Monate bis zu etwa zwei Jahren. In dieser Zeit unterstützen wir die Durchblutung des Schwellkörpers, unter anderem mit PDE5-Hemmern wie Sildenafil (Viagra) oder Tadalafil (Cialis). Reicht das nicht aus, stehen weitere Stufen zur Verfügung, von der Vakuumpumpe über die Schwellkörper-Injektion mit Alprostadil (Caverject) bis zur Penisprothese, wenn andere Verfahren nicht zum Ziel führen. Wir besprechen offen, was realistisch ist und welcher Weg zu Ihnen passt. Die ausführliche Behandlung von Erektionsstörungen finden Sie auch im Bereich Andrologie.

Nachsorge nach medikamentöser Therapie

Bei fortgeschrittener oder zurückgekehrter Erkrankung steht die medikamentöse Behandlung im Vordergrund. Grundlage ist meist der Entzug des männlichen Geschlechtshormons (Hormonentzugstherapie, ADT), das das Wachstum der Tumorzellen antreibt. Häufig kommen moderne Substanzen hinzu, die in den Hormonsignalweg eingreifen, etwa Abirateron (Zytiga), Enzalutamid (Xtandi), Apalutamid (Erleada) oder Darolutamid (Nubeqa), je nach Stadium auch eine Chemotherapie oder eine zielgerichtete Therapie.

Die Nachsorge sieht hier anders aus als nach der Operation, weil das Ziel ein anderes ist. Es geht darum, die Erkrankung dauerhaft zu kontrollieren und die Behandlung zu steuern. Wir kontrollieren den PSA-Wert in regelmäßigen Abständen, um die Wirksamkeit zu beurteilen, und prüfen unter Hormonentzug zusätzlich den Testosteronspiegel, der zuverlässig im Kastrationsbereich liegen soll. Bei Bedarf ergänzen wir Bildgebung, um den Verlauf zu beurteilen.

Ebenso wichtig ist die Begleitung der Nebenwirkungen, weil diese Therapien über lange Zeit laufen. Der Hormonentzug beansprucht Knochen, Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System. Wir achten auf die Knochendichte und beugen einer Osteoporose vor, behalten Blutzucker, Blutfette und Blutdruck im Auge und sprechen offen über Beschwerden wie Hitzewallungen, Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen. Diese Dinge lassen sich behandeln, wenn man sie benennt, statt sie als unvermeidlich hinzunehmen.

Ein Wort zur Nachsorge nach Bestrahlung

Wurde die Prostata bestrahlt statt entfernt, bleibt Drüsengewebe erhalten, und der PSA-Wert fällt langsamer und nicht auf null. Hier gilt ein anderes Maß: Steigt der PSA-Wert um mehr als 2 ng/ml über seinen niedrigsten erreichten Wert (Nadir), spricht das für ein Rezidiv. Auch hier richtet sich das weitere Vorgehen nach Bildgebung und Gesamtsituation.

Was Sie von uns erwarten können

Nachsorge ist mehr als ein Laborwert. Wir nehmen uns Zeit für das Gespräch, ordnen Befunde für Sie ein und sagen klar, was ein Wert bedeutet und was nicht, damit aus einer Zahl keine unnötige Sorge wird. Sie behalten in dieser Phase einen festen Ansprechpartner.