Mikro‑Ultraschall bei der Prostatabiopsie: Eine Alternative zum MRT‑Fusionsverfahren

Warum wird bei Verdacht auf Prostatakrebs überhaupt biopsiert?

Wenn der PSA‑Wert erhöht ist oder der Urologe etwas Auffälliges ertastet, steht oft die Frage im Raum: „Ist das Prostatakrebs – und wenn ja, ist er wirklich behandlungsbedürftig?“
Die sichere Antwort liefert meist nur eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Prostata.

In den letzten Jahren hat sich die multiparametrische MRT (mpMRT) mit anschließender MRT/Ultraschall‑Fusionsbiopsie (PFB) als moderner Standard etabliert – sie ist aber teuer, aufwändig und nicht überall verfügbar. Eine neue Technik, der hochauflösende Mikro‑Ultraschall (Mikro‑US), kann eine einfachere Alternative sein.

Eine aktuelle Studie von Castilho Borges und Kollegen hat beide Verfahren bei über 1100 Männern mit suspektem MRT‑Befund verglichen.

Was ist der Unterschied zwischen den Verfahren?

MRT/Ultraschall‑Fusionsbiopsie (PFB)

  • Zuerst wird eine mpMRT der Prostata durchgeführt.
  • Verdächtige Areale werden vom Radiologen markiert (PIRADS‑Score).
  • Im OP oder Eingriffsraum werden diese MRT‑Bilder mit dem Echtzeit‑Ultraschall „fusioniert“.
  • Der Arzt sticht gezielt in diese Areale („targeted“) und zusätzlich in ein Standardschema („systematisch“).

Mikro‑Ultraschall‑Biopsie (MB)

  • Es kommt ein spezieller hochauflösender Schallkopf (ca. 29 MHz) zum Einsatz, der deutlich feinere Strukturen zeigt als herkömmlicher Ultraschall und auch das MRT.
  • Der Urologe sieht verdächtige Bereiche direkt im Ultraschall (PRIMUS‑Score) und kann zusätzlich vorliegende MRT-Bilder fusionieren.

Ziel beider Methoden ist, besonders den „klinisch bedeutsamen“ Krebs (Gleason ≥ 7) zu finden – also Tumore, die in der Regel behandelt werden sollten.

Was hat die Studie ergeben?

Untersucht wurden 1119 Männer mit auffälligem MRT‑Befund, die entweder eine Mikro‑Ultraschall‑Biopsie (767 Patienten) oder eine MRT‑Fusionsbiopsie (352 Patienten) erhielten. Um die Gruppen vergleichbarer zu machen, wurde statistisch für Alter, PSA, Prostatagröße, MRT‑Befund und andere Faktoren gewichtet.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Insgesamt lag die Krebsnachweisrate bei etwa 64%.
  • Klinisch bedeutsamer Krebs (csPCa):
    • In kombinierter (gezielt + systematisch) Biopsie:
      • Mikro‑US: 45%MRT‑Fusion: 34%→ Mikro‑US mit höherer Trefferquote.
      In systematischen Bipsien allein:
      • Mikro‑US: 39%MRT‑Fusion: 24%→ ebenfalls Vorteil für Mikro‑US.
    • In gezielten Stanzen allein:
      • Mikro‑US: 36%
      • MRT‑Fusion: 30%
      • → kein statistisch sicherer Unterschied, aber Trend für Vorteil beim Mikro-US.
  • Bei Männern ohne vorherige Biopsie („biopsienaiv“):
    • Kombiniert: 49% csPCa mit Mikro‑US vs. 36% mit Fusionsbiopsie.
  • Bei reinen Vorderlappen‑Läsionen (anterior):
    • Die Erkennungsraten für bedeutsamen Krebs waren in beiden Verfahren ähnlich.
  • Übereinstimmung mit der späteren OP (Gleason‑Score):
    • Patienten, die per Mikro‑US diagnostiziert wurden, hatten deutlich seltener ein „Upgrading“ (also schlechteren Tumor als gedacht) bei der Prostataentfernung:
      • 17% Upgrading nach Mikro‑US vs. 38% nach MRT‑Fusionsbiopsie.

Kurz gesagt: MikroUltraschall verfehlte bedeutsame Krebserkrankungen seltener!

Welche Einschränkungen gibt es?

Die Autoren weisen auf mehrere wichtige Punkte hin:

  • Es handelt sich um eine einzelne Klinik mit hoher Expertise für beide Verfahren – Ergebnisse sind nicht automatisch auf alle Praxen übertragbar.
  • Beim Mikro‑Ultraschall kannten die Urologen die MRT‑Bilder, was die Trefferquote beeinflussen kann (ein Teil des Effekts könnte also von der Kombination aus MRT + Mikro‑US kommen).
  • Alle Mikro‑US‑Biopsien wurden von sehr erfahrenen Urologen durchgeführt – in weniger erfahrenen Händen kann es anders aussehen.
  • Es ist eine Beobachtungsstudie, keine echte randomisierte Zuordnung – trotz statistischer Anpassung können unbemerkte Unterschiede zwischen den Gruppen bleiben.

Die Kernaussage der Autoren: Mikro‑Ultraschall ist ein sehr gutes Verfahren und mindestens so gut wie die MRT‑Fusion, in vielen Punkten besser.

Was bedeutet das für Patienten?

Für Sie als Betroffenen lassen sich einige einfache Botschaften ableiten:

  1. Wichtiger als „Technik X oder Y“ ist, dass bedeutsamer Krebs erkannt wird.
    Beide Verfahren sind darauf ausgelegt, aggressive Tumoren möglichst zuverlässig zu finden und harmlose Befunde nicht zu überbewerten.
  2. MikroUltraschall ist eine gute Alternative zur MRT-Fusionsbiopsie.
    1. Ambulante Durchführung.
    1. Erkennung auffälliger Bereiche durch den hochauflösenden Ultraschall.
    1. Möglichkeit zur zusätzlichen Fusion mit MRT-Bildern.
  3. MRT bleibt wichtig.
    In der Studie hatten alle Patienten vorab ein MRT; der Mikro‑Ultraschall wurde mit diesem Wissen eingesetzt. In der Praxis wird die Kombination aus MRT‑Diagnostik und zielgerichteter Biopsie (egal mit welcher Bildtechnik) weiterhin eine zentrale Rolle spielen.
  4. Erfahrung des Teams ist entscheidend.
    1. Wie viele Biopsien führt das Zentrum pro Jahr durch?
    1. Welche Technik beherrscht das Team besonders gut?
    1. Wie sind die eigenen Trefferquoten für klinisch bedeutsamen Krebs und wie häufig kommt es später zu „Upgrading“ bei der OP?
  5. Fragen, die Sie Ihrem Urologen stellen können:
    1. Welche Biopsie‑Verfahren bieten Sie an (Standard‑TRUS, MRT‑Fusion, Mikro‑Ultraschall)?Was empfehlen Sie in meinem konkreten Fall – und warum?Wie hoch ist bei Ihrem Vorgehen die Wahrscheinlichkeit, dass ein wichtiger Krebs übersehen wird?
    1. Wie läuft die Biopsie praktisch ab (Narkose, ambulant/stationär, Risiken)?

Fazit für urokompetenz.de

Mikro‑Ultraschall ist eine neue Technik mit ausgezeichneter Bildgebung für Veränderungen, die eine Krebserkrankung darstellen können.

Wir verwenden Mikroultraschall schon lange und haben viel Erfahrung hiermit. Wir wissen Mikro-Ultraschall ist für die Krebserkennung ein ausgezeichnetes Verfahren und für uns ist der Mikro-Ultraschall ein wesentlicher Bestandteil in der optimalen Diagnostik.

Sprechen Sie uns bei Fragen gerne an!

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